Akropolis adieu!

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Meine Güte, wie schnell die Zeit vergeht.

War nicht gerade erst Anfang Mai und ich voller Vorfreude auf meine Zeit in Griechenland?!

Habe ich mich nicht gerade eben auf die beiden Workshopwochen vorbereitet, die ich jedes Jahr hier auf Paros abhalte?!

Nun haben wir bereits Juli! Und in einer Woche geht es zurück nach Berlin.

 

Mehr Meer und mehr von allem

Mehr Zeit hier auf Paros wäre schon schön, finde ich. Beim Gedanken an den bald bevorstehenden Abschied werde ich richtig wehmütig. Ich bin noch nicht genügend im Meer geschwommen, habe noch nicht ausreichend Zeit mit meinen griechischen Freunden verbracht, könnte doch noch…wollte doch noch…

Zum Glück fällt mir in diesem Moment ein, wie ich vor vielen Jahren herzzerreissend geweint habe, als ich mich nach zwei Wochen von meiner Insel verabschieden musste. „Ach, wenn ich doch nur etwas mehr Zeit hier verbringen könnte“, dachte ich damals.

„Eine Woche nur, eine einzige Woche mehr.“

Als ich im Jahr darauf drei Wochen auf Paros bleiben konnte, flossen beim Abschied mindestens ebensoviele Tränen.

„Vier Wochen will ich hier verbringen. Ja, wenn ich vier Wochen hier verbringen kann, dann bin ich zufrieden. Das nächste Mal müssen es unbedingt vier Wochen sein.“ Allein die Vorstellung, einen ganzen langen Monat hier zu sein, machte mich glücklich. Was wäre das für ein Luxus!

Ich glaubte tatsächlich daran, dass ich dann endlich rundum zufrieden sei.

Mangelerscheinung

Sicher errätst du es. Die vier Wochen im kommenden Jahr, dieser ganze Monat, genügten mir immer noch nicht. Ich war weiterhin mit dem Mehr an Zeit, das ich hatte, unzufrieden.

Zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass sich meine Unzufriedenheit wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben zog. Nicht nur, was die Dauer meiner Urlaube anging.

Wenn ich erst mehr Zeit, mehr Geld, mehr Freude, mehr Glück in der Liebe hätte, dann sei ich endlich zufrieden, bildete ich mir ein. Mehr…mehr…mehr…

Dazu schielte ich ständig auf das „Mehr“ der anderen und fühlte mich vom Leben benachteiligt.

Meine Lebensfülle

Es dauerte ein paar Jahre, bis ich gelernt hatte, das zu schätzen, was ich besaß, und nicht das zu beklagen, was mir fehlte.

Heute ist alles gut – ein wenig Wehmut und Abschiedsschmerz gestehe ich mir zu.

Ich bin von Herzen dankbar für diese zwei Monate hier auf Paros, freue mich auf meine Arbeit in Berlin und das Wiedersehen mit meinen Freunden, mit denen ich einen großartigen Sommer verbringen werde.

Großstadtprogramm

Außerdem stehen vor meinem Heimflug noch ein paar ereignisreiche Tage in Athen auf dem Programm. Wie zum Beispiel der Besuch des Akropolis-Museum sowie ein Film im ältesten Open-Air-Kino, dem Cine Paris Plaka – mit Blick auf die Akropolis inklusive.

Zwei „Firsties“ kommen dieses Mal hinzu, für die wir uns jeweils einen ganzen Tag Zeit nehmen werden:

  • eine Fahrt mit der Elektrikó von Piräus nach Kifissia. Das Buch „Quer durch Athen“ von Petros Markaris dient uns als Reiseführer. Markaris beschreibt darin die Sehenswürdigkeiten jeder der 24 Haltestellen der berühmten Linie 1, der Metro, die als erste in Athen fuhr. Wir werden uns einige Stationen davon aussuchen und anhand des Buchs die Umgebung erkunden.
  • ein Besuch in Tatoi – das liegt etwas außerhalb von Athen -, wo wir mit dem Präsidenten der Freunde Tatois verabredet sind, der uns etwas über die frühere Residenz der griechischen Königsfamilie und den königlichen Friedhof erzählen wird.

Den letzten Abend vor meiner Abreise werden wir mit griechischen Freunden in einer der typischen Tavernen verbringen, die zwar selten geworden sind, die es aber immer noch gibt.

Bis bald

Wenn der Flieger am nächsten Morgen Richtung Berlin abhebt, denke ich noch einmal voller Dankbarkeit an die Zeit zurück, die mir geschenkt wurde, und freue mich dann auf das, was mich in den kommenden Monaten erwartet.

An diese Stelle passt sehr gut ein Satz, der meist in Todesanzeigen zu lesen ist, den wir vielleicht auch in unserem täglichen Leben beherzigen sollten: Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es gewesen.

 

Herzlichst

Sylvia Graf – Berlin

„Mutig durch Veränderungen“

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