Das frühe Ahnen…

Wie du vielleicht weißt, liebe ich Griechenland sehr. Jedes Jahr verbringe ich zwei Monate auf der Insel Paros, wo auch meine beiden Workshops „Mutig durch Veränderungen“ stattfinden.
Im vergangenen Jahr fiel mir ganz besonders auf, dass viele Feinheiten der griechischen Sprache einfach so an mir vorbeirauschten.

Die Unterhaltungen mit meinen griechischen Freunden bewegten sich zu sehr an der Oberfläche.

Ich will mehr.

Ich spreche zwar Griechisch, jedoch ließen Wortschatz und Grammatik zu wünschen übrig. Tiefergehenden Diskussionen konnte ich deshalb kaum folgen, geschweige denn, an ihnen teilnehmen.

Ein kühner Plan.

So nahm ich mir vor, bis zu meinem nächsten Aufenthalt – also in diesem Frühjahr – die Sprache besser zu sprechen. Ein Kurs an der Volkshochschule mit zwei Unterrichtsstunden pro Woche schien mir dafür nicht ausreichend.

Was ist Neogräzistik?

Bei meiner Recherche entdeckte ich, dass die Freie Universität Berlin den Studiengang „Neogräzistik“ (Neugriechische Philologie) anbietet, dem ein Vorstudiensprachkurs zum Erwerb der dafür nötigen Sprachkenntnisse vorausgeht.
Und so habe ich mich im Oktober letzten Jahres für den Vorstudiensprachkurs Neugriechisch eingeschrieben.

Ganz schön happig.

Der Vorstudiensprachkurs besteht aus 10 Kursstunden pro Woche. Mit Nachlernen und Hausaufgaben kam ich dann schon so auf 20 Stunden.
Dazu habe ich einmal pro Woche das Proseminar „Neugriechische Geschichte“ besucht. Das Proseminar ist bereits Bestandteil des Hauptstudiums.

Organisation ist alles.

Da ich in keinem Fall meine Arbeit als Coach vernachlässigen wollte, war einiges an Umorganisation notwendig. Der Montag war vorlesungsfrei. So legte ich die Einzelgespräche auf diesen Tag, auf die Abendstunden oder auf die Wochenenden. Meine berufstätigen Klientinnen freuten sich darüber.
Meine Workshops in Berlin finden zweimal pro Monat sonntags statt. Hier waren keine Änderungen notwendig.
Du siehst: Mit Leidenschaft lässt sich alles bewältigen! Und so vernachlässigte ich weder meine Klientinnen noch mein Studium.

Das Ende vom Lied?

Die beiden Semester gehen nun zu Ende. Für morgen steht eine Geschichtsklausur an und übermorgen die Einstufungsprüfung für die neugriechische Sprache.
An der Geschichtsklausur nehme ich freiwillig teil. Das Bestehen der Sprachprüfung ist jedoch die Voraussetzung dafür, dass ich mich im Wintersemester immatrikulieren darf.

Da mach ich mir nen Plan.

Denn genau das habe ich vor. Während der beiden Vorstudiensemester stellte ich fest, dass ich diese ganz besondere Herausforderung für mich meistern will. Ich beginne mit kleinen Schritten. Zuerst kommt das Bachelor-Studium, nach drei Jahren gehe ich das Master-Studium an.
Und wenn alles gut läuft, denke ich irgendwann vielleicht noch einmal über eine Promotion nach.

Doch eins nach dem anderen.

Mein ganz besonderer Kick im Augenblick ist allerdings der, dass ich vom jetzigen zweiten Semester genau vier Wochen anwesend war. Mir fehlen demnach ganze zwei Kursmonate = 80 Unterrichtsstunden.
Das waren die beiden Monate, die ich in Griechenland verbrachte.
Ich hatte zwar alle Lernunterlagen dabei und befand mich auch mit meinen Kommilitoninnen im ständigen Austausch. Doch, wie das so ist, es kommt immer mal gerne was dazwischen, was frau vom Lernen abhält.

Kneifen gilt nicht.

In früheren Jahren hätte ich gekniffen und wäre gar nicht erst zur Prüfung angetreten. Ich hätte gedacht: „Das schaffe ich ja doch nicht.“
Das hat sich geändert. Ich habe während der vergangenen Tage intensiv gelernt, um meine Wissenslücken aufzufüllen.

Jetzt geh ich’s an.

Und nun bin ich zwar ganz schön aufgeregt – und ja, auch ein wenig unsicher, weil ich nicht alles aufholen konnte.
Doch wenn ich es nicht versuche, werde ich es nie wissen. Und was ist das Schlimmste, was passieren kann?! Richtig. Ich falle durch. Dann wiederhole ich eben.

Ja, und?
So, und nun gehe ich es an. Drückst du mir die Daumen?

 

P.S.: Daumendrücken hat geholfen. Dankeschön. Die mündliche Prüfung habe ich mit 1,3 bestanden. So eine Note hatte ich während meiner gesamten Schulzeit nicht.

Herzlichst
Sylvia Graf – Berlin
„Mutig durch Veränderungen“

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