Drei Tage kommt sie…

Drei Tage kommt sie...…drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie. Meine Großmutter hatte – wie mit so vielen Lebensweisheiten, die sie im Lauf ihres Lebens von sich gab – auch Recht mit diesem Ausspruch.

Gemeint hat sie damit, dass eine Grippe eben ihre Zeit braucht. Und dass du nichts – absolut nichts – dagegen tun kannst.

Am besten ist Ruhe!

Also, akzeptiere und gib Ruhe! Wer weiß, wofür’s gut ist! (Der Spruch kam übrigens auch von ihr.)

Viele Jahre blieb ich davon verschont, doch letzte Woche hat sie mich voll erwischt. Zuerst das Kratzen im Hals, dann diffuses Unwohlsein. Was relativ harmlos begann, wuchs sich innerhalb von 24 Stunden zu massiven Beschwerden aus.

Mit Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen und Fieber durchlief ich das komplette Programm. Sieben Tage war ich saft-, kraft- und stimmlos.

Heute, an Tag 8, bin ich wieder so weit hergestellt, dass ich den für den Jahresanfang vorgesehenen Blogbeitrag hätte angehen können (in dem ich dich eigentlich an meinem tollen Jahreswechsel in Venedig teilhaben lassen wollte. Egal. Darüber berichte ich als Nächstes.)

Heute will ich dir erst einmal davon erzählen, was ich an Positivem aus den letzten Tagen mitgenommen habe.

Oh ja, auch die Grippe kann ihre guten Seiten haben. Frau/man muss sie nur sehen wollen. Alles ist lediglich eine Frage der Einstellung.

Deshalb erzähl ich’s dir jetzt. Vielleicht siehst du es dann auch.

Mein ganz persönlicher Nutzen!

Was ich gemacht habe, während ich so schwach darniederlag?

Nun, das umfangreiche Archiv von youtube beherbergt viele Filme, da ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Für mich zum Beispiel waren das die Folgen von „Der letzte Zeuge“ mit dem von mir so bewunderten Ulrich Mühe.

Die habe ich mir angeschaut, immer wieder unterbrochen Hustenanfällen und längeren Schlafphasen.

Und ja: Ich sah mir ALLE vierundsiebzig Folgen an. Eine nach der anderen. Auch die, die ich schon kannte.

Eine Folge dauert etwa 50 Minuten. Das Ganze dann mal 74 Folgen, das macht dann insgesamt… Ach, rechne dir das doch bitte selber aus, ich fühle mich zum Rechnen noch viel zu schwach.

Endlich Zeit im Überfluss!

Es dauerte nicht lange, dann hatte ich mich an den Gedanken gewöhnt, für einige Tage außer Gefecht gesetzt zu sein. Ich kuschelte mich unter die Decke und konnte ab da den Zustand des Nichtstuns richtig genießen.

Wann sonst, außer beim Friseur oder im ärztlichen Wartezimmer („Ach ja, den Artikel über diese … habe ich aus lauter Langeweile gelesen, während mir Klaus-Dieter Strähnchen machte. Ich lese diese Art Zeitschriften sonst nicht!“), ergibt sich schon mal eine Gelegenheit, sich so lange mit Dingen zu beschäftigen, die „man sonst nicht tut“.

Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl stehen oft im Vordergrund und zwängen uns in ein ganz schön enges Korsett. Wie gut, wenn wir das dann mal in Ausnahmefällen lockern dürfen.

Nein, ich hatte nicht das Gefühl, meine Zeit sinnlos zu vertun. Ich war ja krank und hatte damit eine gute Entschuldigung.

Hervorragend ausgestattet mit Mittelchen – ebenfalls überliefert aus Großmutters weisem Erfahrungsschatz – befinde ich mich mittlerweile auf dem Weg der Genesung. Planmäßig zum 9. Tag kehre ich kraftvoll, erholt und ausgeruht wieder zurück zu dir und meinen Kommilitoninnen in der Uni.

Zu meiner schnellen Gesundung beigetragen haben wohl auch die täglichen Anrufe des fürsorglichen Frauennetzwerks in direkter Nachbarschaft.

Obwohl ich niemanden persönlich sehen wollte, fühlte ich mich doch geborgen. Mein Krächzen in den Hörer genügte meinen Nachbarinnen als Beweis dafür, dass ich noch lebte.

Mein Trost!

Alles Negative, das einem so im Leben passiert, bringt – meist erst im Nachhinein betrachtet – auch etwas Positives mit sich.

Ich weiß jetzt, dass ich in meiner Wohnung beruhigt alt und – hoffentlich nicht allzu häufig – krank werden kann. Ich habe Freunde in direkter Umgebung, die nach mir sehen und sich um mich kümmern werden.

Mich tröstet dieser Gedanke sehr.

Und (daran merkst du, wie gut es mir schon geht): Ich freue mich fast diebisch darüber, dass das, was ich gerade niederschreibe, nicht mehr in den allgemeinen Neujahrswünschen untergeht, weil wir schon fast Mitte Januar haben. 🙂
Apropos Großmutter! Ist dir auch schon aufgefallen, dass du mit zunehmendem Alter nicht nur auf die Weisheiten von Mutter und Großmutter zurückgreifst, sondern sie vermehrt auch deiner Umgebung – gefragt und ungefragt – als DAS Nonplusultra mitteilst?!

Deine Erfahrungen und Erlebnisse dazu – wie immer – gerne in den Kommentaren.

Also dann, bis zum nächsten Mal.

Herzlichst Sylvia

 

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