Ein wenig Mumm nur…

 

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Tafel am Guggenheim-Museum Venedig

Ehe der nächste Jahreswechsel näher liegt als der vergangene, will ich dir – wie im Januar versprochen (Liebe Güte, wie schnell doch die Zeit vergeht!) – noch schnell von meinem letzten Silvester in Venedig berichten.

Ein wenig seltsam ist das schon. Wie du vielleicht weißt, gebe ich zweimal jährlich auf Paros einen Workshop zum Thema „Mutig durch Veränderungen“ und bin gerade mit den letzten Vorbereitungen dafür fertig geworden.

Silvester im Mai

Während ich also hier auf der Terrasse meines Apartments in Naoussa sitze, bei strahlendem Sonnenschein und 25 Grad aufs Meer schaue, soll ich über mein Silvester in Venedig berichten?! Über etwas, das schon Monate zurück liegt?!

Nun, vielleicht kannst du am Ende ermessen, warum es mir so wichtig war, darüber zu schreiben und dieses Erlebnis mit dir zu teilen.

Doch nun zu Venedig

Im Prinzip ist an einem Jahreswechsel nichts Ungewöhnliches, sagen sicher einige. Für die ist das ein Tag wie jeder andere.

Für mich würde das eventuell auch gelten, hätte ich nicht gerade an diesem Tag Geburtstag. Ich habe dann einfach das Bedürfnis, aus diesem doppelten Feiertag für mich etwas Besonderes zu machen.

Womit wir schon mitten in der Geschichte sind, die ich dir erzählen will.

Das Leben eben

Wie das Leben so spielt, war vor mehr als 10 Jahren der Kontakt zu einer langjährigen Freundin in München einfach so abgebrochen. Aus welchen Gründen kann ich dir heute noch nicht einmal mehr sagen.

Und wie das Leben weiter so spielt, erinnerte ich mich vor drei Jahren wieder an unsere guten Zeiten und überraschte sie zu ihrem Geburtstag mit einem Ständchen am Telefon.

Ein Hoch auf alte Freundschaften

Brigitte freute sich riesig, und wir konnten beide gut wieder da anknüpfen, wo wir damals aufgehört hatten. Regelmäßige Telefonate und E-Mails gingen zwischen Berlin (wo ich inzwischen wohne) und München hin und her.

Mit einem Treffen hatte es allerdings in dieser Zeit aus den verschiedensten Gründen nicht geklappt. Wir konnten einfach keinen gemeinsamen Termin finden.

Die Herausforderung

Während eines Telefonats gegen Jahresende sprachen wir darüber, dass keine von uns einen richtigen Plan für Silvester hatte. Bis Brigitte vorschlug, über den Jahreswechsel doch gemeinsam zu verreisen. Ohne zu zögern, sagte ich ja. Keinen Moment dachte ich darüber nach, was für ein Risiko dabei sein könnte, nach so vielen Jahren mehrere Tage zusammen zu verbringen. Wir hatten uns ja beide verändert. Ob in die gleiche Richtung, würden wir dann sehen.

Über unser Ziel wollten wir – jede für sich – nachdenken.

Venedig sehen und…

Plötzlich hatte ich ein Bild von Venedig vor Augen – von früheren Besuchen her allerdings eher frühlingshaft.

Fragst du dich jetzt: Oh je,Venedig im Winter! Wie mag das sein? Dunkel, unheimlich, verregnet?

Und dann noch: Da sitzen zwei Frauen, die sich ewig nicht gesehen haben, bei diesem Wetter in ihrem Apartment fest und gehen sich vielleicht gegenseitig tierisch auf die Nerven?

Ich dachte darüber keinen Augenblick nach. Nur daran, dass Venedig im Winter so ganz ohne Touristenströme sicher seinen besonderen Reiz hatte. Und daran, dass ich mich darauf freute, meine Freundin nach so langen Jahren mal wieder zu treffen.

Ich rief Brigitte an, um ihr von meiner Idee mit Venedig zu erzählen.

Sie war sofort begeistert, und wir buchten am gleichen Tag noch die Flüge und über airbnb ein Apartment in einem Palazzo aus dem 15. Jahrhundert. Wenn schon, denn schon. 🙂

Das Wiedersehen

Am 30. Dezember kamen wir  – Brigitte von München, ich etwas später von Berlin – nachmittags auf dem Flughafen von Venedig an. Brigitte erwartete mich in der Flughafenhalle.

Trotz der vielen Jahre, die wir uns nicht gesehen hatten, erkannten wir uns sofort und liefen wie Teenager laut kreischend aufeinander zu. Dann fielen wir uns lachend in die Arme. Zugegeben, ein paar Tränen flossen gleich danach.

Für den Fall von „Acqua alta“ – dem alljährlich erwarteten Winterhochwasser – lagen neben unserer Abendgarderobe im Koffer auch die Gummistiefel. Und selbstverständlich hatten wir an die rote Unterwäsche gedacht, die nach italienischem Brauch am Silvesterabend getragen, Glück bringen soll.

Que ce triste Venice?

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Venedig am 1. Januar 2016

Wir zogen unsere Koffer in Richtung Anlegestelle der Bootslinie Alilaguna, die uns zu unserer Unterkunft in der Nähe der Rialtobrücke bringen sollte.

Draußen empfingen uns die letzten Strahlen der Nachmittagssonne.

Nein, Venedig war nicht einmal im Ansatz so traurig, wie Charles Aznavour es in seinem Chanson besingt. Weder vom Wetter her noch von unserer Stimmung.

Auf dem Markusplatz und direkt drum herum allerdings fanden wir ähnliche Touristenströme vor wie im Hochsommer.

Doch wir erkundeten vier Tage lang eher die hintersten Winkel der Stadt, wo uns meist Einheimische begegneten. Dadurch, dass wir uns einfach treiben ließen, kam es schon mal vor, dass wir uns verliefen, auf einem dunklen Hinterhof landeten und nicht mehr wussten, wie wir nun aus dem Gassengewirr wieder nach Hause finden sollten.

Wenn wir uns zu sehr verirrt hatten, fragten wir einfach. Freundliche Menschen zeigten uns auf ihren Smartphones, wo wir uns gerade befanden, und wo wir ungefähr hin müssten. Es gab dann immer einen bekannten Punkt, von dem aus wir uns wieder orientieren konnten.

Meist kamen wir auf dem Heimweg an einer kleinen Trattoria vorbei und erhielten Einblicke in die venezianische Kochkunst, die – zugegeben – manchmal so typisch war, dass es mich doch ein wenig Überwindung kostete, das zu essen. Immerhin weiß ich nun, dass Reis mit Kutteln nie mein Leibgericht werden wird.

Auf ins neue Jahr

Eines von drei Desserts

Wir verbrachten einen unvergesslichen Silvesterabend mit 8-Gänge-Menü im Restaurant La Fenice, direkt neben der weltberühmten Oper, inmitten von italienischen Familien.

Kurz vor Mitternacht wurde der Champagner gebracht, die Küchenbrigade kam herein, stellte sich in einer Reihe vor uns auf und zählte die Sekunden herunter.

Als in ganz Venedig die Glocken das neue Jahr einläuteten, wünschten wir uns gegenseitig „Felice anno nuovo“ und gingen kurz darauf durch die stillen Gassen nach Hause. In Venedig ist privates Feuerwerk nicht erlaubt.

Am Abend des 1. Januar kauften wir uns Wein und Käse im Laden um die Ecke, kuschelten uns in unserer wunderschönen Wohnung in die Polster, führten tiefsinnige Gespräche und hörten italienische Canzoni.

Als das Ende dieser intensiven und unvergesslichen Tage da war, verabredeten wir, dass wir, so lange noch einigermaßen krauchen können, auch die künftigen Silvester miteinander verbringen werden.

Jeder Jahreswechsel soll an einem Sehnsuchtsort stattfinden, an dem wir noch nie waren, und den wir schon immer mal besuchen wollten. Der für dieses Jahr steht schon fest.

Du willst wissen, wo? Nur so viel: Wie schon im vergangenen Jahr wird es wieder ein Gewinnspiel geben, bei dem das nächste Reiseziel zu erraten ist. Mehr dazu ab Mitte Dezember (Bis dahin bitte ich um Geduld.).

Mein Résumé

Bis heute wärmt die Erinnerung an Venedig mein Herz.

Aus den vielen positiven Erlebnissen heraus, die ich aufgrund spontaner Entscheidungen im Lauf meines Lebens hatte, kann ich dir nur dazu raten, immer wieder aufs Neue etwas zu wagen und zu sehen, was sich daraus ergibt.

Es lohnt sich immer, wie ich mal wieder erfahren durfte.

Ich wünsche dir spannende Erfahrungen.

Herzlichst Sylvia Graf – Berlin

„Mutig durch Veränderungen“

 

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Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?

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