Meine kleinen grauen Zellen

Die kleinen grauen Zellen„Dramatisch. Studien belegen, dass das Lernen von neuen Inhalten die Zellverbindungen deines Gehirns stärkt. Und nicht nur das: Dein Gehirn kann durch das Lernen sogar an Größe zunehmen.

Nimm noch diesen Herbst an einem Coursera Spezialkurs teil und lerne die Grundlagen von Computer-Programmierung, wissenschaftlicher Forschung oder Business-Strategien – deine Neuronen werden es dir danken.“

Soweit der Inhalt der Mail, die ich heute von Coursera erhalten habe. Ich werde damit aufgefordert, doch mal wieder was für meine grauen Zellen zu tun.

Ich nehme die Aufforderung für mich an und gebe sie gerne an dich weiter.

Wer oder was ist Coursera?

Du kennst Coursera nicht? Na, dann werde ich dir mal etwas darüber erzählen. Vielleicht animiert dich das vielfältige Angebot dazu, auch mal wieder etwas für deine grauen Zellen zu tun.
Bei Coursera bieten 127 Universitäten in 25 Ländern insgesamt 1.340 Online-Kurse zu Themen auf vielen Gebieten an.

Das ist der Link dazu: Klick hier drauf!

Lebenslanges Lernen leicht gemacht

Für kleines Geld könntest du zum Beispiel an der Universität von California mal wieder deine englischen Grammatik-Kenntnisse auffrischen oder an der Peking Universität Chinesisch für Anfänger lernen.

Ebenfalls an der Universität von California hast du die Möglichkeit, dich auf das Schreiben akademischer englischer Texte zu spezialisieren.

Interessiert dich Römische Architektur? Kein Ding. Auch hierzu gibt es einen Kurs. Melde dich an der Yale University an.

Wenn du eher etwas über Führungsqualitäten und Teambildung erfahren willst, ist die University of Michigan die richtige Adresse.

Für all diese Kurse musst du noch nicht einmal deine Wohnung verlassen. Dein Laptop oder Computer und eine stabile Internetverbindung genügen.

Studieren ohne Numerus clausus

Welche fachlichen Voraussetzungen du mitbringen solltest, erfährst du im Vorfeld. Meist genügt jedoch dein Interesse am jeweiligen Kurs. Da die meisten Kurse in Englisch abgehalten werden, sind ausreichende Sprachkenntnisse wichtig.

Zu jeder der meist wöchentlichen Vorlesungen gibt es Aufgaben und ergänzende Literaturempfehlungen, oft werden auch Abschlussarbeiten verlangt.

Der Zeitaufwand

Der empfohlene Zeitaufwand zum Lernen des Stoffs und zur Erledigung der schriftlichen Hausaufgaben ist für jeden Kurs unterschiedlich. Meist bewegt er sich zwischen zwei und maximal zehn Stunden pro Woche und wird in der Inhaltsbeschreibung angegeben.

Ein Kurs kann vier, sechs oder acht Wochen dauern. Es gibt auch mehrteilige Kurse, die aufeinander aufbauend bis zu einem Jahr laufen.

Wenn du Wert darauf legst, erhältst du am Ende des Kurses ein Zertifikat. Wie die Authentifizierung funktioniert, wird verständlich erklärt.

Meine Kurse

Ich selbst habe in den letzten Jahren an mehreren dieser Online-Kurse teilgenommen. „Foundations of Teaching for Learning“ – eine neunteilige Kursfolge – war einer davon.

Bei einem anderen ging es um Prokrastination. Da habe ich so viel gelernt, dass ich die Inhalte gleich für einen Workshop umsetzen konnte.

Einmal Professorin sein

Die größte Herausforderung erlebte ich, als ich beim Kurs „Latin American Culture“ über einen Zeitraum von sechs Wochen in die lateinamerikanische Kultur eintauchte und viel über die Geschichte, die Unterschiedlichkeit, die Probleme und die Entwicklung der Länder Südamerikas lernte.

Einen Tag vor Kursende schrieb mich der Professor des Tecnológico de Monterrey/Mexico, Enrique Tamés, an und fragte, ob ich Lust habe, zu einem von mir frei wählbaren Thema mit ihm zusammen die Abschlussvorlesung zu halten.

Diese sollte nach Monterrey-Zeit am nächsten Tag um 18.00 Uhr stattfinden. Das war nach Berlin-Zeit 1 Uhr nachts. Ich sollte dann zu einem Google-Hangout zugeschaltet werden.

Wieder mal ohne nachzudenken

Wie es so meine Art ist, sagte ich ohne Nachdenken „Ja“. Erst danach machte ich mir über die Konsequenzen Gedanken.

Worauf hatte ich mich da nur wieder eingelassen.

  • Was für ein Thema sollte ich wählen?
  • Wovon wusste ich so viel, dass ich dazu zehn lange Minuten etwas sagen konnte?
  • Würden 24 Stunden ausreichen, um all das zu Papier zu bringen und es dann auch noch in Englisch zu übersetzen?
  • Würde überhaupt mein Englisch ausreichen, um verständlich zu formulieren und rüber zu bringen, was ich sagen wollte?

Und dann noch:

  • Ich neben einem richtigen Professor in einer Live-Schaltung!
  • Ich mit einem Vortrag vor so vielen Menschen! Für diesen Kurs hatten sich weltweit 18.000 Menschen angemeldet. Selbst wenn nur 10 Prozent davon zuschauten, bereitete mir das Schweißausbrüche.

Doch es half alles nichts. Da musste ich durch.

Wer A gesagt hat…

Die nächsten 24 Stunden verbrachte ich damit, zu dem von mir gewählten Thema im Internet zu recherchieren. Ich sprang von deutschen über englische bis hin zu spanischen Artikeln, kam vom Hundertsten ins Tausendste, druckte Berge von Papier aus, verzweifelte immer mehr und verfluchte meine Voreiligkeit.

Also, so würde das nie was werden!

Ich zwang mich zur Ruhe und entschied, eine Gliederung zu erstellen, an der ich mich entlang hangeln konnte. Dann wollte ich erst einmal das niederschreiben, was ich wusste. Wie ich feststellte, war das doch eine ganze Menge. So viel musste ich gar nicht mit den ausgedruckten Texten aus dem Internet ergänzen.

Es ist so weit!

Heraus kam ein Manuskript von zehn Seiten, das ich, nachdem ich es übersetzt hatte, einem englischen Freund am Telefon vorlas. Er korrigierte ein paar Formulierungen und empfahl mir, langsamer zu sprechen. Nicht nur, um Zeit zu schinden, sondern auch, um aus meinem Vortrag eine authentische Vorlesung zu machen.

Ich weiß heute nicht mehr, wie oft ich meinen Text auf „Audacity“* aufnahm und wieder abspielte. Ich stellte aber beim Abhören fest, dass mit jeder Aufnahme meine Stimme fester und sicherer wurde, dass inzwischen die Betonung stimmte und irgendwann auch der Humor rüber kam. Mein Selbstbewusstsein wuchs.

Lampenfieber

24 schlaflose Stunden später war es dann so weit.

Enrique Tamés schaltete mich fünfzehn Minuten vor der geplanten Zeit zu. Er fragte mich ein wenig über mich und mein Leben aus, erzählte mir, dass er Berlin kenne und gab ein paar lustige Kostproben seiner Deutschkenntnisse.

Dann stellte er mir seinen Assistenten fürs Technische vor, der mir den Ablauf erklärte und wann ich auf welchen Button klicken sollte, damit meine Stimme zu hören sei.

Und auf einmal waren wir „on Air“. Enrique sprach als erster, keine Ahnung, worüber. Ich überflog gerade noch einmal mein Manuskript, als ich meinen Namen hörte.

Ich bin dran!

Mein Thema lautete „Auf der Suche nach den Wurzeln des Salsa.“

Ich begann mit dem Satz (auf Englisch): „Was für eine Herausforderung! Nicht nur, dass ich heute aktiv in dieser Vorlesung sprechen darf, sondern auch, von etwas zu erzählen, das ich normalerweise tanze: Salsa!“

Dann erzählte ich etwas über die Ursprünge, die verschiedenen Stile des Salsa, spürte, wie ich immer lockerer wurde, würzte mit ein paar Anekdoten, rollte das „R“ bei den spanischen Sätzen, die ich einwarf, und endete nach zehn Minuten damit:

“Sorry guys! I prefer to dance Salsa, Cumbia, Tango and romantic Boleros instead to speak about it. Entonces vamos a bailar!“ (Sinngemäß: Lasst uns nicht länger reden, sondern endlich tanzen!)

Ich war durch! Und so froh! Nicht nur, dass ich fertig war, sondern vor allem darüber, dass ich mich getraut hatte.

Jetzt, zwei Jahre später, trägt mich dieser Erfolg immer noch. In schwierigen Situationen sage ich mir: „Wovor fürchtest du dich? Du hast etwas gemeistert, was sich nicht jeder getraut hätte.“

Dann richte ich meine Krone und stelle mich der Herausforderung!

Schau doch gleich mal nach deiner Herausforderung bei Coursera. Ist gut für deine grauen Zellen und für dein Selbstbewusstsein.

Klick hier drauf!

Bitte hinterlasse mir gerne deinen Kommentar oder Bericht von ähnlichen Erlebnissen. Ich freu mich drüber und antworte schnellstmöglich.

 

 

*Audacity ist ein kostenloses Audioprogramm

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